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Geschichte

Die Anfänge der Stadt Mühlheim sind nicht auf dem Bergsporn rechts der Donau, in der Oberstadt zu suchen, sondern links der Donau, in der sogenannten Altstadt. Dort spendete die Karstquelle der Wulf das ganze Jahr über reichlich Wasser für den Antrieb von Mühlrädern und für die sich anschließende Siedlung. Spätestens seit der Römerzeit lassen sich hier Mühlen nachweisen, die dann auch dem Ort den Namen gaben.

Für die weitere Entwicklung dieser Siedlung war ein frühgeschichtlicher Handelsweg entscheidend, der vom Bodensee herkommend hier die Donau in einer Furt überquerte und dann weiter über die Albhochfläche in das Albvorland bei Rottweil führte. Auf der Hochterrasse der Donau über der Furt, in der Nähe der Mühle wurde vermutlich schon im 8. Jahrhundert eine Kirche zu Ehren des hl. Gallus erbaut. Sie war nicht nur Pfarrkirche von Mühlheim, sondern auch für einen Teil der Einwohner der benachbarten Dörfer Kolbingen und Stetten. Welchen Umfang und welche Bedeutung dieses alte Mühlheim, 843 erstmals urkundlich erwähnt, hatte, ist unbekannt.

Spätestens im 12. Jahrhundert kam Alt-Mühlheim in den Besitz des hochadeligen Geschlechts derer von Zollern. Friedrich IV. von Zollern erkannte die Gunst der Lage und der Zeit und gründete kurz nach 1200 auf dem Bergsporn südlich der Donau, Nußbühl genannt, eine Burg an die sich eine wohl befestigte Stadt mit vier Toren anschloss. Rasch gewann die Neugründung an Bedeutung. Mehrere adelige Familien, u.a. ein Zweig der Herren von Werenwag, erwählten sie zu ihrem Wohnsitz, und das Kloster Salem legte einen Pfleghof an. Der alte Handelsweg, nunmehr eine Reichsstraße, begünstigte die Entstehung von Wochen- und Jahrmärkten, und das neue Mühlheim entwickelte sich zu einem regionalen Wirtschaftszentrum. Das Mühlheimer Meß wurde zur bestimmenden Maßeinheit in der Umgebung.

Nach und nach gelang es den Grafen von Zollern durch den Erwerb mehrerer Dörfer und vor allem durch das Erlangen der Vogtei über das Kloster Beuron, ihre Stadt Mühlheim auch zum Verwaltungszentrum der gleichnamigen Herrschaft zu machen. Ende des 14. Jahrhunderts versuchte die Stadt sogar nach Vorbild der Reichsstädte ein eigenes Territorium zu schaffen. Der energische Schultheiß Peter der Spreter setzte 1386 den Kauf der Burg Kraftstein mit all ihrem Zubehör und ihren Rechten durch. Ein weiterer Erwerb gelang der Stadt jedoch nicht mehr.

1392 verkauften die Grafen von Zollern ihre Herrschaft Mühlheim an die Herren von Weitingen, die sie ihrerseits 1409 an die Herren von Enzberg weiter veräußerten. Mit ihren neuen Stadtherren gerieten die Bürger in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in einen Verfassungskonflikt, in dessen Verlauf mehrere bedeutende Familien und mit ihren wohl auch ihr Kapital die Stadt verließen. So zogen die Spreter nach Rottweil und die Wiglin nach Meßkirch. Ihr Wegzug dürfte den gegen Ende des Mittelalters einsetzenden Niedergang der Stadt zwar nicht verursacht, wohl aber beschleunigt haben.

Viel entscheidender für diese nachteilige Entwicklung war die Verlagerung des Verkehrs auf die Straße, welche vom Bodensee über Tuttlingen nach Rottweil führte. So geriet Mühlheim immer mehr in den Schatten Tuttlingens. Mühlheim wurde zu einem beschaulichen Landstädtchen, dessen Bürger von der Landwirtschaft und von wenigen Handwerksbetrieben lebten.
Der Dreißigjährige Krieg besiegelte den Niedergang der Kommune. Wiederholt von kaiserlichen und schwedischen Truppen besetzt - 1633 sollen bei einem Überfall 300 Schweden getötet worden sein; das Schwedengrab an der Donau erinnert noch heute an dieses Blutbad- litt die Bürgerschaft entsetzlich unter den Folgen dieses Krieges. Von ursprünglich 96 Bürgern mit ihren Familien zu Beginn des Krieges, lebten 1635 nur noch 28 in der Stadt. Der Rest war geflohen, verhungert oder einer Seuche erlegen.

Der damalige Bürgermeister Bartholomäus Kindler schildert in seiner Chronik anschaulich das Schicksal, das der Stadt widerfahren ist. Von diesem Schicksalsschlag erholte sich die Stadt nur wenig, und sie sank im 18. Jahrhundert beinahe zur Bedeutungslosigkeit herab.

1805 kam Mühlheim nach einem kurzen badischen Zwischenspiel an das Königreich Württemberg. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfasste die industrielle Revolution auch Mühlheim und Dank des Unternehmungsgeistes einiger Bürger kehrte allmählich ein bescheidener Wohlstand zurück. Ruprecht Amman und Karl Aigeltinger gründeten damals Uhrenfabriken und Ludwig Leibinger richtete eine Werkstatt für chirurgische Instrumente ein.

Mit dem Bau der Donautaleisenbahn 1890 bekam die Stadt einen Anschluss an das württembergische Eisenbahnnetz. In den nun folgenden Jahren siedelten sich in der Vorstadt Handwerks- und Industriebetriebe an. Die bedeutendsten sind heute Karl Leibinger, Medizintechnik, SKF GmbH Kugellagerfabrik, Wieser GmbH, Werkzeugfabrikation.

Auf kulturellem Gebiet erhielt die Stadt mit der Realschule eine überörtliche Bildungseinrichtung und, nachdem die Stadt von dem Freiherrn von Enzberg das Vordere Schloss erwerben konnte, gewann sie repräsentative Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen und richtete hier auch ein ansprechendes Museum ein. Dank der Zuschüsse von Land, der Initiative der Bürgermeister und der Bereitschaft der Bürger konnten in jahrelanger Arbeit die meisten Fachwerkgebäude in der Oberstadt liebevoll restauriert und das historische Stadtbild wieder hergestellt werden, in dessen Mittelpunkt das vermutlich aus dem 13. Jahrhundert stammende Rathaus steht.

Verfasser: Dr. Elmar Blessing

 

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